Ecuador

15. bis 29. Dezember

Die Grenze zwischen Peru und Ecuador, die wir ausgewählt haben, liegt mitten in der Pampa und besteht aus ein paar Baucontainern. Vor dem Container warten wir bei 30 Grad darauf, bis der ecuadorianische Zollbeamte mit seiner Kollegin ausgeflirtet hat und Lust hat die Importation auszustellen. Auf den Straßen sind kaum Autos unterwegs. Nur wie immer ein paar grün, blau oder rot blinkende Fahrzeuge in unterschiedlicher Geschwindigkeit – wie man sein Auto „gestaltet“, spielt hier keine Rolle. Also gilt umso auffälliger (nerviger :-)) desto besser. Die Straßen sind einfach perfekt, autobahnähnlich und teilweise zwei- oder dreispurig. Nachdem uns dann auch noch die Polizei anhält, um uns „im Namen der ecuadorianischen Polizei herzlich Willkommen zu heißen“, sind wir total hin und weg und vergessen beim Fahren total die Zeit. Plötzlich wird es dunkel. Da wir immer noch in Südamerika sind und es deshalb keine gute Idee ist nachts zu fahren – auch wenn wir es bei diesen Straßen am liebsten würden – suchen wir uns in der nächsten größeren Stadt einen Schlafplatz. Wir parken direkt am Fluß neben einer Tankstelle. Es ist ruhig und die Mitarbeiter versichern uns, vollkommen sicher. Zuerst gibt es allerdings ein frisch gegrilltes Steak an der Straße. Denn endlich ist es dafür wieder warm genug.

Unser eigentliches Ziel ist Puerto Lopez an der Küste. Viele Reisende lassen diesen Teil Ecuadors aus. Es sei nicht DAS Ecuador. Oder sie fliegen nur auf die Galapagosinseln. Wir vermissen allerdings immer noch die Wärme und das Meer. Wir wollen ein paar Tage Ruhe, Zeit und das an einem festen Ort. Der Campingplatz von Stefan aus der Schweiz ist dafür genau der richtige Ort! Wir haben total Glück, denn er hat seine Ferienhäuser und auch den Campingplatz offiziell vor zwei Wochen geschlossen. Er konnte sich nicht mehr auf die ecuadorianischen Mitarbeiter verlassen, hatte keine Ruhe mehr in die Schweiz zu fahren und insgesamt hat alles zu viel Geld und vor allem Zeit gekostet. Nachvollziehbar, sein Grundstück ist riesig, liegt auf einer einsamen Klippe oberhalb von zwei Buchten. Der Blick reicht bis ins nächste Dorf und auf eine gegenüberliegende Insel. Über der Bucht kreisen die Pelikane, man hört nichts außer die Vögel, das Meer und ab und zu die Fischfabrik. Es bleibt genügend Zeit für Grillabende mit frischem Fisch, Garnelen und Tintenfischen, aber auch dafür, uns etwas um unsere „Zukunft“ zu kümmern.

Unser nächstes Ziel liegt wieder im Landesinneren: Das kleine Bergdorf Salinas – bekannt für den besten Käse des Landes. Weit weg ist es nicht, lange dauert es trotzdem. Unser Navi schickt uns ab von der geteerten Straße, rauf auf einen Feldweg. Erst einmal ist das ja nichts ungewöhnliches und abschrecken tut es uns erst recht nicht. Dass es allerdings etwas anderes ist, in der Regenzeit durch die ecuadorianischen Wälder zu fahren, als in der Trockenzeit über Boliviens 5000m Berge, merken wir spätesten nach einigen Kilometern. Um einen schlammigen steilen Hügel hoch zu kommen, muss Erik Anlauf nehmen. Beim Rückwärtsfahren kommen wir vom Weg ab und rutschen in einen Graben. Es gibt kein Vor und kein Zurück mehr. Wir stecken fest. Autos kommen hier keine vorbei. Wir versuchen Steine und Holzlatten unterzulegen, damit wir nicht mehr Rutschen. Es kommen zwei Einheimische auf dem Moped vorbei. Gemeinsam versuchen wir weiter den Bus zu befreien. Es ist aber einfach viel zu rutschig. Die beiden holen Verstärkung. Das halbe Dorf (inklusive Hausschwein) rückt an. Mit einem Seil und ganz viel Manneskraft wird der Bus schließlich auf den Weg zurückgetragen. Ob wir hier wirklich hoch fahren wollen, fragen sie uns erstaunt. Mittlerweile zweifeln wir auch stark an der vorgeschlagenen Route des Navis und lassen uns von den Einheimischen erklären, wie wir doch noch ans Ziel kommen können. Als Dankeschön gibt’s wieder einen italienischen Espresso und eine Flasche Wein für die Männer. Diese Geste scheint ihnen total unbekannt zu sein. Also wird die Flasche kurzerhand geköpft und morgens um 11Uhr auf der Straße geteilt. Die andere Straße ist nicht nur um Welten besser, sondern auch kürzer. Zum ersten Mal nehmen wir Einheimische im Bus mit – sie sind auf Mitnehmer angewiesen, denn Busse fahren viel zu selten. In Bolivien wurde uns davon abgeraten, es habe immer mal wieder Überfälle gegeben. Wir sind deshalb vorsichtig geworden. Die Menschen sind super dankbar und fühlen sich wohl auf dem Sofa hintendrin. Wir erfahren einige interessante Sachen über das Leben hier und sehen nebenbei noch einen atemberaubenden Sonnenuntergang über den Wolken… Dass wir für guten Käse so viel auf uns nehmen, hätten wir vor einem Jahr auch noch nicht gedacht. Gelohnt hat sich’s allemal. Denn obwohl der Schweizer Gründer nicht mehr lebt, hat die er die Kunst des Käsemachens an die Dorfbewohner weitergegeben. Die umliegenden Bauern bringen mit dem Esel morgens ihre Milch zur Käserei. Draus entsteht dann leckerer Tilsiter, Edamer, Gouda und noch ein paar Sorten mehr.

Baños liegt auf der anderen Seite der Berge in einem Tal kurz bevor das Amazonasgebiet beginnt. Auch hier bleiben wir mal wieder bei einem verrückten deutschen Auswandererpaar hängen. Sie haben eine Art „Hundertwasser“ Restaurant mit tollen Gästezimmern und einem Parkplatz auf dem wir umsonst campen können. In Baños begegnen wir noch einmal den gegrillten Meerschweinchen. Obwohl sie tatsächlich leckerer aussehen als in Peru, haben wir trotzdem nicht das Bedürfnis sie ein zweites Mal zu probieren. Wir testen lieber die handgemachten Toffees in allen Geschmacksrichtungen, die schön in den Zähnen hängen bleiben. An Heilig Abend gibt es ganz viel Fleisch und eine leckere Flasche Wein im urugayanischen Grillrestaurant. Ein schöner Abend, aber trotzdem fehlt die Weihnachtsstimmung. Wir freuen uns auf das nächste Weihnachten mit unseren Familien.

Einen weiteren Zwischenstop machen wir an einem tollen Wasserfall. Der Wanderweg führt durch den Dschungel und unter dem Wasserfall hindurch. Wegen den Ferien ist ganz Ecuador unterwegs. Wir sind froh als wir am Abend noch tiefer im Amazonas an einem anderen Wasserfall ankommen, um die Nacht zu verbringen. Am nächsten Morgen wandern wir durch den Dschungel und können uns unterm Wasserfall abkühlen – und das ganz alleine.

Wir überqueren den Äquator und kommen wieder ins trockenere Flachland. Wir verbringen ein paar Tage bei Hans in der „Finca Sommerwind“. Bis auf die vielen Moskitos ein richtiges Paradies für Autoreisende direkt am See. Wir treffen viele Gleichgesinnte, es macht Spaß sich auszutauschen und die verschiedenen Geschichten zu hören. Ein Paar aus Deutschland ist jetzt seit sieben Jahren auf vier Rädern unterwegs, andere zieht es gleich wie uns nach etwa einem Jahr wieder zurück in die Heimat.

Insgesamt hat uns Ecuador total überrascht. Für viele ist es nur ein Durchreiseland – es hat keinen „Machu Picchu“, keine „Salar de Uyuni“ und kein karibisches Meer. Wer auf die Galapagosinseln fährt, sieht kaum etwas vom Rest des Landes. Uns hat es super gefallen und wir wären gerne länger geblieben. Die Menschen sind super super freundlich, das Essen ist lecker und günstig, genau so wie das Benzin, die Landschaft ist abwechslungsreich. Und das alles auf kleinster Fläche. Für uns geht es aber weiter. Ins unser letztes Reiseland: Kolumbien.

 

 

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