Uyuni

2. bis 14. Oktober

Juhu juhu juhuuu – Uyuni! Ich freue mich wirklich schon ewig auf diesen besonderen Teil Boliviens. Warum? Ich weiß es nicht einmal so genau. Von anderen Reisenen haben wir so viele tolle Geschichten gehört und Fotos gesehen. Hoffentlich werde ich nicht enttäuscht…

Der Weg von Potosí nach Uyuni ist wieder super schön – abwechslungsreiche Farben und Steinformationen, Kakteen, Lamas, Höhenunterschiede – wahnsinn. Dass wir von der Landschaft Boliviens begeistert sind, ist mittlerweile ja kein Geheimnis mehr. Eine weitere Nacht verbringen wir bei einer lieben Bauernfamilie in der Nähe ihrer Farm. Wir fragen, ob wir für eine Nacht parken dürfen und bekommen als Antwort: „Ja warum denn nicht?“. Für ganz umsonst. Wie immer begeistert uns die Freundlichkeit der Menschen – egal wie arm oder „reich“ sie sind. Die Umgebung ist wunderschön: Steile Felsen, eine Sanddüne, ein kleiner Fluss und Sumpfland. Einziger Wehrmutstropfen: Es wird frostig kalt in der Nacht. Die Schlachtung des Lamas am nächsten morgen verpassen wir leider. Wir sehen noch wie die Innereien gesäubert werden. Würste machen sie nicht daraus, sie essen es lieber so, in einer Suppe. Schade eigentlich, nach der Schlachtung der Ziege in der Mongolei und des Rindes in Paraguay, wäre das sicher auch interessant gewesen.

 

 

An einem Aussichtspunkt halten wir an, um einen ersten Blick von weitem auf Uyuni zu werfen: Es liegt da flach wie ein Pfannkuchen in der Weite der Wüste. Grün? Fehlanzeige. Kaum im Ort angekommen, fahren wir von der gut asphaltierten Straße runter. Es staubt und holpert nur noch. Uyuni ist wirklich nicht besonders hübsch. Zwanzig Pizzerien (denken die Bolivianer alle Ausländer essen nur Pizza?) und über 120 Agenturen die Touren in die Salzwüste anbieten. Genau – deshalb sind wir hier. Aber wie in jeder Stadt entdecken wir auch in Uyuni die netten Ecken: die Hamburgerverkäuferin an der Straße die von früh morgens bis abends auf dem Markt Fleisch verkauft und dann bis 22Uhr Hamburger bruzelt, die kleine Schweißerei, bei der benachteiligte Menschen angestellt sind und die uns eine eigene kleine (höhenverstellbare!) Parilla schweißt, die Früchstücksfrau, wie immer ein schöner Markt auf dem Erik Komplimente für seine Haare bekommt, da er aussieht wie Jesus und eine Sauna bei der wir für 1,30€ heiß duschen können – also brauchen wir kein Hotel. Und ja erwischt – es dreht sich wie so oft einiges ums Essen 🙂 In Uyuni bereiten wir uns auf die große Tour vor. Kaufen ein, „erkämpfen“ uns drei Kanister Benzin zum lokalen Preis, recherchieren bei ein paar Bier wo es lang gehen soll und behandeln den Unterboden von „Dimas“ mit einer Öl- / Dieselmischung – das soll vor Rost durch das Salz schützen. Den perfekten Übernachtungsplatz finden wir auf dem „Zugfriedhof“ am Rande von Uyuni. Ein Freilichtmuseum, Schrottplatz oder auch ein großer Abenteuerspielplatz. Rund 100 Züge wurden hier etwa 1940 abgestellt, als die Industrie in Bolivien zusammenbrach und die Züge nicht mehr genutzt wurden. Zum ersten Mal gefrieren nachts die Scheiben. Das typische Wüstenklima – tagsüber warm, nachts schweinekalt. Zum Glück haben wir uns schon mit einer zusätzlichen Decke und einer Wärmflasche eingedeckt – die werden wir sicher noch brauchen…

 

 

Aufgeregt sind wir schon, denn was genau auf uns zu kommt wissen wir nicht. Die “Salar de Uyuni” ist schließlich 10 000km2 groß und damit die größte Salzwüste der Welt. Straßen gibt es logischerweise nicht. Nur Spuren von den ganzen Tourenjeeps. Eigentlich wollen wir raus aus dem Trubel, aber ist das nicht gefährlich? Um rauf und runter zu fahren, gibt es festgelegte Eingänge. An die sollten wir uns unbedingt halten. Normalerweise ist das Salz bis zu 10cm dick. Nur nicht am Rand. Deshalb kann es ganz schnell passieren, dass man einbricht – dann kommt man nur sehr schwer wieder zurück auf die Piste. Die ersten Kilometer sind total unrealistisch – wir können noch nicht recht fassen, wo wir sind, was wir machen und das ganze vor allem auf eigene Faust. Direkt hinter dem Haupteingang in der Nähe von Uyuni kommen wir am Salzhotel und an der “Dakar-Statue” vorbei. Seit ein paar Jahren findet diese berühmte Wüstenralley u.a. in Bolivien statt. Ungefähr dreißig Jeeps halten während wir dort sind. Unser VW Bus ist ein beliebtes Fotomotiv. Wir setzen uns in unsere Campingstühle und amüsieren uns köstlich über das Spektakel und fangen an zu realisieren, wie unglaublich die ganze Umgebung einfach ist. Wir sind uns aber auch sofort einig, dass wir uns so die Salzwüste nicht vorgestellt haben und dass wir absolut keine Lust auf die Menschenmengen haben. Also fahren wir erst einmal 80km über das Salz. Vorbei an der Hauptinsel, die voller Riesenkakteen und bestimmt super schön ist. Genau dort treffen sich allerdings die ganzen Jeeps zum Sonnenuntergang. Das Navigieren ist mit GPS überhaupt kein Problem. Wir finden eine kleine Insel, an dessen “Strand” wir die erste Nacht verbringen. Auch an den Inseln sind die Salzränder sehr dünn – wir müssen besonders aufpassen. Unterm dem Salz befindet sich schließlich Wasser – zwischen 72 und 121m – so genau weiß man das nicht. Ganz oben auf der Insel hat man eine 360 Grad Rundumsicht, es ist super windig, aber der Sonnenuntergang ist spektakulär – das Grinsen bekommen wir nicht mehr aus dem Gesicht. Erstaunlicherweise ist es nachts nicht ganz so kalt wie am Zugfriedhof. Die Fenster gefrieren trotzdem und über unsere dicke Daunendecke sind wir wieder einmal froh. Am zweiten Tag fahren wir nur ein paar Kilometer, wir wollen Fotos machen und einfach nur genießen. Die Sonne scheint, die Sonnencreme mit LSF 50 ist mehr als notwendig. An diesem Abend haben wir Glück, denn es windet nicht. Wir können die Nacht mitten auf dem Salz verbringen und müssen keinen Schutz auf einer Insel suchen. Am nächsten Tag fahren wir zu einem Vulkan am Rande der Wüste. Wir sehen den Berg schon die ganze Zeit. Die Entfernung auf der Wüste lässt sich jedoch überhaupt nicht einschätzen, weshalb wir für den Weg viel länger brauchen als erwartet. Bis ganz nach oben darf man sowieso nur mit Guide. Der Berg ist über 5000m hoch, hat einen tiefen Krater und ist wohl zu gefährlich um auf eigene Faust erkundet zu werden. Wir wandern zum ersten Aussichtspunkt, von dem aus man den Gipfel sieht, aber vor allem einen super Blick auf die Wüste hat. Der Weg führt vorbei an Höhlen, in denen vor einigen Jahren mumifizierte Skelette von Ureinwohnern gefunden wurden. Am nächsten Morgen, zurück auf dem Salz, erkunden wir die Insel auf der wir übernachtet haben. Sie ist viel größer als die erste, hat einen schönen Rundweg auf und über die Insel, Riesenkakteen und einige Höhlen. Auch an diesem Tag sehen wir auf dem Salz keine Menschenseele. Nur von Weitem sieht man ab und zu ein Auto oder einen Bus vorbeifahren – die Touren fahren nach einem Tag auf der Wüste schon weiter in den Süden. Nach einer weiteren Nacht auf einer Insel wird’s Zeit nach Uyuni zurück zu fahren. Am liebsten würden wir dieses Naturwunder noch viel länger genießen, aber die Dusche ruft und Wasser und Lebensmittel werden auch langsam knapp.

 

 

Die Standard-Tour von Uyuni aus führt nicht nur auf die Salzwüste sondern auch entlang der sogenannten “Lagunen-Route“, ganz in den Süden Boliviens bis kurz vor die chilenische Grenze. Es geht noch höher hinauf, die Straßen sind sandig, steinig und für unser Auto eher ungeeignet – Allrad haben wir auch nicht. Viele raten uns ab die Strecke zu fahren. Wir sind kurz davor eine Tour zu buchen, die uns nochmal aufs Salz, dann aber eben auch zu den Lagunen bringt. Letztendlich überzeugen uns jedoch andere Reisende mit Auto, es doch zu probieren. Sie waren auch auf dem Rundweg ohne 4×4 unterwegs. Na dann, wenn wir es nicht schaffen sollten, kehren wir halt wieder um. Oder wir lassen uns von einem Touren-Jeep aus dem Sand ziehen. Also packen wir neues Wasser, Essen und Benzin ein und fahren los. Wir entscheiden uns, zuerst nach Osten zu fahren und nicht wie üblich nach Westen. Dieser Abschnitt soll einfacher sein und wir bekommen ein Gefühl für den Straßenzustand. Es geht nur langsam voran, die Straßen sind einfach nur schrecklich. Wirkliche Probleme gibt es aber nicht (bis auf den Wackelkontakt am Stecker der Zündung). Stolz wie Oskar kommen wir am nächsten Tag an der „Laguna Colorado“ an – einem See auf fast 5000m mit rotem Wasser und jeder Menge Flamingos – das ist unglaublich! Nach einem kurzen Abstecher bei den Geysiren drehen wir wieder um und fahren zur roten Lagune zurück. Die Lagunenroute geht noch weiter in den Süden zur weißen und grünen Lagune. Bis dorthin schaffen wir es nicht. Wir haben zu wenig Benzin dabei und Tankstellen gibt es keine. Der Verbrauch in der Höhe und bei Fahrt im 2. Gang ist schon erheblich höher. Ein bisschen schade ist es schon. Trotzdem sind wir total glücklich, dass wir es überhaupt gewagt und bis hierher geschafft haben. Am Geysir treffen wir einen Franzosen, der mit einem „kleinen“ Camper-LKW unterwegs ist. Das Ding kostet mehr als ein Einfamilienhaus, hat fünf Betten, 1000L Frischwasser, einen Dieseltank der 9000L fasst und natürlich sonst allen Luxus den man braucht – oder auch nicht. Er schläft im zweiten Stock, den man ausfährt wenn der Truck steht.  Jetzt wissen wir wofür wir arbeiten, wenn wir zurück nach Deutschland kommen und was wir machen, wenn wir in Rente sind. Zurück an der „Laguna Colorado“ campen wir direkt am See. Der Ausblick, die Flamingos und die ganze Stimmung dort lässt uns nicht mehr aus dem Staunen herauskommen. Voller Adrenalin und Glückshormonen wagen wir auf dem Rückweg die schwierigere Strecke über den Westen. Es geht weiter bergauf und bergab, durch Sand, über Felsen und durch eine Schlucht. Ein bisschen Mitleid haben wir mit „Dimas“ schon – die Höhe und die Straßenverhältnisse lassen ihn leiden, ein Stoßdämpfer musste dran glauben. Die Anstrengung lohnt sich jedoch definitiv. Wir kommen an drei anderen Seen und Felsformationen vorbei, die Landschaft ändert sich ständig. An diesem Tag zählen wir über fünfzig Jeeps die uns entgegenkommen. Wahnsinn wie viele Menschen hier täglich unterwegs sind. Aber verständlich, verpassen sollte man das Ganze wirklich nicht! Nach einer weiteren Nacht an einer Lagune „schleichen“ wir zurück nach Uyuni. Bevor wir die nächste Etappe nach Cochabamba starten, erholen wir uns noch von den letzten Tagen mit Lamadarm und Mais zum Frühstück für 0,90€.

 

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